Abdulkareem Alfarage

Über mich:

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Originaltext

Übersetzung

Die Familien sind nicht mehr in einem Haus vereint, weil die Viertel nicht mehr länger von den Menschen bewohnt werden. Sie sind verlassen, einsam und der Wind pfeift nach Belieben um die Ecken. Die Feste bereiten keine Freude mehr, so wie stumme Zeichentrickbilder. Der Tod ist nicht mehr länger Anlass für Trauer. Aus den Fesseln der allumfassenden Ungerechtigkeit ist er zum einzigen Tor der Rettung geworden.
Die Familien haben sich zerstreut zwischen Märtyrern, Vermissten und Emigranten. Die Träume sind zusammengebrochen, ebenso die Wohnungen, in denen die Kinder, die in ihrer Fantasie segelten, lebten. Einer von ihnen träumte stets davon Lehrer, ein anderer Pilot oder Ingenieur zu werden. Ihre Träume sind zu ihrer einzigen Rettung geworden. Es ist nur so, dass wir in einem Land leben, das nicht bloß Träume, sondern auch die kindliche Unschuld zerstört. Der einzige Ausweg daraus ist der Tod.

Was hat dich jetzt hergeführt, wo in mir eine enorme Abneigung gegenüber der Menschheit aufsteigt und ich mich vollends von dieser entarteten Welt entfremdet habe?
Wer hat dich zu mir geführt, um mir in so kurzer Zeit – ohne Gegenleistung – ein solches Mitgefühl zu schenken? Ich bin ein starker Mann, der sich aber davor fürchtet enttäuscht zu werden. Oftmals wurde ich im Stich gelassen, bis es keinen Platz mehr an meinem Körper gab, der nicht von verräterischen Dolchen durchbohrt worden wäre.
Was hat dich also dazu bewogen, mir all das freiwillig zu schenken?

Und warum bestehst du darauf, mit all der Kraft deiner warmen Zuneigung meine Welt zu besiedeln? Ist es möglich, dass ich in deiner Welt untergehe, ohne es zu bemerken und ohne meine Gedanken beisammen zu haben, um aufzustehen und mich ihr zu entziehen?
Was genau trägst du in dir, dass du dich nicht nur mit deiner gefühlvollen Art, sondern auch mit dem warmen Klang deiner Stimme auf die Mauern meiner Festungen niederlässt? Ich frage dich bei dem, der dir all das geschaffen hat: Antworte mir schnell, damit ich mich vielleicht noch vor dir retten kann, ohne zugrunde zu gehen.

Tief in mir wohnt eine gewaltige Menge unterdrückter Dialoge. Ein Albtraum finsterer Einsamkeit beherrscht mich in den entlegensten Winkeln meiner Gedankengänge. Gefesselt von der Wirklichkeit, die ich durchlebe.
Manchmal überkommt mich ein Gefühl von Distanz und Fremde, zwischen meinem Körper und meinem Geist. Ein anderes Mal reißen mich sanfte Brisen voll Sehnsucht zu Boden, weil ich mir wünsche, ein ländlicher Mann zu sein, ohne Bezug zur Kultur und Schreibkunst – ein einfacher Mensch eben, der die Schlichtheit seines Lebens aus dem Nichts erschuf. Dann wiederum ergreift mein komplexes Denken Besitz von mir und zeigt mir die Schäbigkeit des niedrigen menschlichen Geistes auf. Doch in welchem Augenblick könnte ich verharren, wo all diese schmerzhaften Wandlungen in unablässigem Wechsel meine Gedanken zersetzen? Wie, wann und wer soll ich sein?
Ich muss mit meiner Phantasie in eine Welt, erfüllt von Gelassenheit und Ruhe, aufbrechen.
Ich fühle, wie sich der Sauerstoff von mir lossagt und mich in eine Welt entlässt, die meinen Adern das Blut abschnürt. Was sind das für Schicksalsschläge, die mich da treffen? Die Adern meiner Augen sind gelähmt und ich spüre, wie eine Dunkelheit sich ihrer bemächtigt. Mein Körper zittert und sein Feuer brennt lichterloh. Meine Augen erlöschen still, ohne dass nach außen ein einziges Anzeichen davon sichtbar wird. In meinem Inneren toben gewaltige Schlachten zwischen Gedanken und wie sie sich äußern, zwischen Bleiben und Vergehen.
Die Debatten toben in jeder Pore meines Körpers. Wäre es nicht verboten, Gott anzuflehen, mich zugrunde zu richten, hätte ich es längst getan.
Ich werde mit ihr sprechen, ohne dass sie sich selbst erkennt, jedoch spürt, dass sie gemeint ist und ohne dass sie sich mit Verachtung begegnet. Ich werde dir sagen, dass du das Herz getötet und die Adern durchtrennt hast, ohne dich dabei zu bewegen und ohne ein Schwert, Gewehr oder einen Dolch zu berühren.
Wie hast du das angestellt, wo doch ein großer Unterschied zwischen der Tat und ihrer Inszenierung liegt? Wie konntest du nur auf die anderen und nicht auf mich hören und dabei die hässliche Sprache aus ihren dreckigen Mündern in ein Lexikon überführen?!
Wie konntest du nur fortgehen und einen anderen umarmen, ohne dich darum zu scheren, was mit mir geschehen würde, ohne deinem Verstand ein paar Minuten zu geben, um nachzudenken und dich meiner zu erbarmen? Du Schwärmerin, Tyrannin von ewiger Schönheit! – Wie konntest du das nur tun?! Du wirst nach all dem zu mir zurückkehren und ich werde dir niemals verzeihen.
Du wirst nicht mehr das Mädchen sein, das einst mein Herz besetzte. Unscheinbar bist du zurückgekehrt, fremd in der Liebe, aber nicht fremd an diesem Ort.
Du wirst mir noch sagen, dass du es bereust, doch kümmert mich das dann nicht mehr.
Du hast alles in mir erloschen, mit allen Verbrechen, die die Liebe kennt und allen Mitteln, die die Liebenden dafür aufwenden.
Weder haben Qais und Layla gekostet, was du mich hast kosten lassen, noch haben Antara und Abla dergleichen gekämpft.