Irina Sviridova

Über mich:

Ich heiße Iryna Horbachova und schreibe unter dem Pseudonym Irina Sviridova. Ich wurde am 5. April 1973 in Saratow geboren. Ich habe eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht und 25 Jahre lang als Krankenschwester gearbeitet. Ich bin am 27. August 2022 nach Deutschland gekommen. Aktuell wohne ich in Bergen. Meine Muttersprachen sind Russisch und Ukrainisch. Mein Wunsch ist es, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Ich möchte allen Menschen Frieden und Güte wünschen.

Originaltexte

Ich weiß, die Zeit kommt nie zurück
Mein liebes Haus seh’ ich nur im Traum.

Doch bin ich mir sicher: Ich hab noch Glück
und lebe auf – und weine kaum.

Irina Sviridova

die sonne scheint hell
auf mein gesicht
ich schaue aus dem fenster
und ich fühle mich gut

Irina Sviridova

Ich stehe auf der Brücke der Hoffnung, Hoffnung für heute.
Ich gehe auf der Brücke des Glücks, viel Glück für morgen.
Ich laufe die Brücke des Glücks entlang, Glück für mein ganzes Leben.

Das wünsche ich allen Menschen auf dem Planeten: Glaube, Güte, Schönheit.
Sie sollen auf der Brücke des Lebens gehen: ohne Schmerz, Verlust, Krankheit.

Irina Sviridova

Als Kind wurde mir beigebracht, dass die Heimat der Ort ist, an dem man geboren wurde, aufwuchs, eine Ausbildung und Vertrauen in die Zukunft erhielt. Daran habe ich fest geglaubt. Aber die Realität erwies sich als viel härter. Die erste Prüfung, die mir widerfuhr, war die Perestroika in meinem Land. Dann kamen die „schneidigen“ Neunziger. Es war waren schwierige und dunkle Zeiten, die Verwüstung, Arbeitslosigkeit, Hunger und Raub brachten.

Zu diesem Zeitpunkt arbeitete ich in einer Fabrik und wurde bald arbeitslos, da alle Unternehmen schlossen, die Wirtschaft des Landes ging zurück. Ich blieb mit einem Baby zurück, ohne Arbeit, ohne Sozialleistungen und ohne jegliche staatliche Hilfe.

Ungefähr zehn Jahre lang lebten wir unter solch schwierigen Bedingungen. Verbesserungen kamen mit den 2000er Jahren. Ich habe zum zweiten Mal geheiratet. Wir bekamen eine Tochter. Mein Mann und ich haben viel gearbeitet und konnten uns eine Wohnung, ein Auto und eine Datscha kaufen. Unsere Kinder waren in der Schule erfolgreich und trieben aktiv Sport. Es schien, als könne nichts unser Leben trüben.

Aber dann kam das Jahr 2014. Die ersten, die alle Nöte des Konflikt erleben mussten, waren die Städte Donezk und Luhansk. Wir fielen in die Besatzungszone. Um uns herum wurden Grenzen, Kontroll- und Passierstellen errichtet. Menschen mussten sich an diesen Stellen ausweisen, um Renten, Dokumente und Lebensmittel zu erhalten und gerieten dabei oft unter Beschuss. Einige Autos wurden durch Minen in die Luft gesprengt. Außenbezirke der Stadt wurden ständig beschossen, die Zahl der Opfer stieg täglich. Die Stadt versank in Raub und Chaos. Wir empfanden ständig Angst, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.

Nachdem wir die Schwere der Situation erkannt hatten, beschlossen wir, alles stehen und liegen zu lassen und in die Ukraine zu gehen. Und wieder mussten wir bei Null anfangen. Wir haben ein Haus renoviert, Arbeit gefunden, unsere Tochter ist zur Schule gegangen.

Aber die Echos des anhaltenden Konflikts erreichten uns immer wieder, bis die Ausschreitungen wieder in einem offenen Krieg eskalierten. Vor ein paar Jahren waren wir vor dem Krieg geflohen und jetzt hatte er uns wieder eingeholt. Und wieder: Beschuss, Tod, Verwüstung, Hunger. Und wieder Angst…

Wir mussten unser geliebtes Zuhause erneut verlassen. Wir sind durch die ganze Ukraine gereist, konnten aber nirgendwo Zuflucht finden. Es gab sehr viele Flüchtlinge. Man brauchte Geld, um eine Wohnung zu mieten. Ich konnte einen Job finden, aber das Gehalt deckte nicht einmal die Wohnkosten. Zu diesem Zeitpunkt lebte unser Sohn mit seiner Familie bereits in Deutschland. Er hat uns überredet, hierher zu kommen, wir hatten große Angst.

Eine lange Reise voller Sorgen und Zweifel ist nun überwunden. Es fällt mir schwer, all die Gefühle darüber zu beschreiben wie Deutschland uns empfangen hat. Zum ersten Mal seit vielen Jahren erfuhren wir Unterstützung und Fürsorge. Uns wurde klar, dass wir nicht allein sind auf dieser großen Welt. Ein römischer Philosoph sagte einmal: „Ein gutes Beispiel kehrt im Kreis zu dem zurück, der es gegeben hat“. Nun möchte auch ich das Gute, das ich hier im Land Mecklenburg-Vorpommern bekommen habe, weitergeben.

Ich habe wieder Lust zu leben, zu lernen und zu arbeiten. Wir wollen würdige Mitglieder der Gesellschaft werden, zum Nutzen des Landes, das, wie ich sehr hoffe, unsere zweite Heimat wird.

Irina Sviridova