Lusy Belikowa

Über mich:

Ich heiße Leonida Switluchna, mein Pseudonym ist Lusy Belikowa. Ich bin am 17. April 1960 in Khmelnytskyi geboren. Von Beruf bin ich Maschinenbauerin. Nach Deutschland bin ich im April 2022 gekommen und wohne nun in Bergen auf Rügen. Meine Muttersprachen sind russisch und ukranisch, jetzt lerne ich Deutsch. Das ist auch mein größter Wunsch: gut Deutsch sprechen zu können. Ich wünsche allen anderen Menschen alles Gute.

Originaltexte

Meine Heimat
ist blauer Himmel
sonniger Morgen
Vogelgesang
Stille und Ruhe
kaum wahrnehmbare Brise
der Geruch von Pfefferminz, Thymian
und gemähtem Gras,
der mich auch hier
in Deutschland
an die Ukraine erinnert.

Meine Heimat
ist die morgendliche Kühle
und Tautropfen,
die bei den ersten Sonnenstrahlen überlaufen.

Meine Heimat
sind grüne Felder und Wälder,
es ist ein Weg,
der mich zu meinen Eltern führt.

Meine Heimat,
das sind meine Eltern
das ist meine Familie
und das ist mein großer Schmerz
der derzeit verlorenen
Ruhe und Stille in der Ukraine.

Über der Heimat
scheint die Sonne heller
das Gras ist grüner
der Himmel blauer.

Lusy Belikowa

Überall schneit es – Winter.
Der Frühling ist da, Wasser ist überall.
Er wird kommen, es ist Zeit
Und der Sommer steht vor der Tür.
Dann geht der Sommer ruhig in den Herbst über.
Es wird kalt wehen.
Und der Frost wird das ganze
Grün auf dem Boden berühren.
So ist das Leben.
Ein Baby, ein Schuljunge, ein junger Mann,
ein Teenager, ein Mann, ein Vater,
ein Großvater, ein alter Mann.

Lusy Belikowa

Manchmal möchte ich eine Brücke sein, eine Brücke zwischen zwei Kulturen. Diese Brücke erinnert mich an den Weg des Lebens, an ein Märchen. Ich werde Ihnen ein Märchen erzählen.

Vor langer Zeit waren zwei Liebende, aber es geschah, dass sie sich trennen mussten, so schmerzlich, und sie konnten einander zwar sehen, aber nur von den Gipfeln zweier hohen Berge, die einander gegenüber standen.

Und so beschlossen sie, eine Brücke zu bauen, um sich zu treffen. Die Brücke war lang, aber nicht breit. Sie bog sich unter dem Gewicht derer, die sie betraten, durch und berührte die Baumspitzen, es machte fast den Eindruck, die Liebenden würden auf die Baumspitzen treten, wenn sie zueinander eilten.

Diese Brücke ist ein Symbol für Liebe und Glauben an alles Gute. Heutzutage scheinen solche Hängebrücken eher ein Ausflugsziel zu sein, eine Möglichkeit, etwas Aufregendes zu erleben und Nervenkitzel zu erzeugen, trotzdem solide gebaut, stabil und sicher. Sie ist nichts für schwache Nerven, eine solche Brücke.

Aber wenn man sich traut, über die Brücke zu gehen, dann verschwindet die Angst, wenn man die herrliche Aussicht von oben betrachtet, und man fühlt sich, wie ein allmächtiger Mensch auf der Erde.

Lusy Belikowa

Das Leben ist schon sehr unberechenbar, wenn man mir vor anderthalb Jahren gesagt hätte, dass ich in Deutschland leben würde, hätte ich es nicht geglaubt. Aber es ist so geschehen, und nun bin ich schon seit zwei Jahren hier, es gefällt mir.

Der einzige Nachteil hier ist meine Unkenntnis der Sprache. Ich werde die nächsten Jahre hier sein, auch wenn ich immer noch hoffe, dass…

Aber an der deutsche Sprache möchte ich wirklich arbeiten, ich hoffe, dass meine Tochter und mein Schwiegersohn irgendwann hierher kommen werden. Ich habe keine nächsten Verwandten außer meiner Tochter, und ihr Mann ist nicht mehr da, meine Mutter ist vor vier Jahren gestorben. Alle meine Cousins und Schwestern leben auf der ganzen Welt verstreut. Einige leben in Jugoslawien, einige in Spanien und Irland und in Norwegen.

Ich habe einmal den Ausspruch gehört, dass man dort leben muss, wo man sich wohl fühlt. Deshalb möchte gern nach Hause zurück, ich vermisse meine Kinder, meine Freunde hinter meinem Haus, aber es gibt keine Garantie dafür, dass der Krieg in der Ukraine bald zu Ende gehen wird. Und ein Leben in Angst, nein, das ist auch kein Ausweg, der Krieg hat viele Dinge verändert, und leider nicht zum Besseren.

Ich kann nicht vergleichen, wo es besser ist, wo es nicht gut ist, aber es gibt sicherlich überall etwas, das du gut finden kannst und das dich überrascht. Bei uns in der Ukraine ist es üblich, den Älteren Respekt zu zeigen. Der Bus hält an, auch wenn der Alte am Straßenrand, der von der Siedlung kommt, die Hand nicht hebt. So habe ich es persönlich erlebt, es ist wunderbar, so hilfsbereit. Ich war sehr überrascht, als der Busfahrer auch neben einer Frau anhielt, die schon seit 20 oder 25 Jahren nicht mehr im Dorf wohnte. Er fragte sie, warum sie hier sei, was passiert sei, wie geht es, ist alles in Ordnung?

In der Ukraine ist es üblich, ältere Menschen mit „Sie“ anzureden, manchmal nutzt man auch das „Sie“ und den Vornamen, wenn man sich darauf geeinigt hat. Aus meiner Kindheit kenne ich es noch so, dass Gäste nie mit Erwachsenen an einen Tisch gesetzt wurden, so war es bei uns üblich. Ich mag es sehr, dass hier im Hochhaus jeder grüßt, auch wenn man ihn nicht kennt. Das ist bei uns auf den Dörfern noch so, in Städten grüßt niemand mehr Fremde.

Ich wohne jetzt in Bergen auf Rügen. Früh am Morgen grüßen alle. Das ist schön, ein kleiner Teil Heimat, denn das ist bei uns auch üblich. Auch die vielen kleine Kinder sind so, wie sie überall sind: laut, unbändig und immer mit sehr vielen Fragen – dem großen „Warum?“.

Lusy Belikowa

Den Anfang dieser Geschichte zu finden, gestaltet sich manchmal schwierig, besonders, wenn bereits einige Zeit vergangen ist. Es gibt viele Ereignisse, die in der Erinnerung vergraben worden sind, im Rückblick erscheint alles anders.

Für mich persönlich war es sehr stressig, als ich aus der Ukraine nach Deutschland kam. Ich war sehr nervös. Ich kam mit meinem Enkel. Wir haben in Charkiw alles gelassen: meinen Job und die Ausbildung meines Enkels. Ich wusste nicht, was uns in der Zukunft erwartet.

Ich hatte große Angst vor lauten Gesprächen, Lärm und Geschrei. Man kann sagen, mein Herz schlug mir ständig bis zum Hals. Nach einiger Zeit habe ich gemerkt, dass sowohl ich als auch mein Enkel, das Glück hatten, in Deutschland zu landen und hier zu wohnen.

Vielen Dank, dass Sie uns Schutz, Ruhe und Frieden gewährt haben. Wir wurden herzlich empfangen. Der Staat und die Einwohner haben uns alles gegeben, was wir für eine komfortable Unterkunft benötigen. Vielen Dank für die Integrationskurse, die Sprache, in der ist in der Kommunikation von großer Bedeutung. Die Sprache lerne ich bereits.

Jedes Land hat seine Gesetze und Regeln, nach denen die Bevölkerung lebt. Deshalb ist es nicht nur schwierig, die Sprache nicht zu verstehen, sondern es wird auch doppelt schwer, weil man die Gesetze und Verhaltensregeln nicht kennt. Deshalb denke ich, es wäre angebracht, den umgesiedelt Flüchtlingen aus Kriegsgebieten grundlegenden Dinge beizubringen: Verhaltensregeln, Kultur und Gesetze des Landes, in dem wir uns befinden. Es wäre auch nicht schlecht, mitzuteilen, wie man Müll trennt.

Respekt gegenüber dem Land, das mir Frieden, Geborgenheit und Schutz gegeben hat, beginnt mit den einfachsten Dingen.

Lusy Belikowa

Die ukrainische Küche ist einzigartig. Und eigenartig: Jeder Bezirk in der Ukraine hat sein eigenes typisches Gericht, wie zum Beispiel Teigtaschen. Aber das wichtigste Gericht ist der ukrainische Borschtsch. Dabei kann man nicht sagen „der“ Borschtsch, oh nein! Es gibt unzählige Varianten.

Die wichtigsten Zutaten für die Zubereitung von Borschtsch sind Fleisch, Bohnen, Burjak, Kartoffeln, Kohl, Zwiebeln, Lorbeerblätter, schwarze Erbsen, Tomatenmark und Karotten. Diese Zutaten zumindest gehören für mich dazu, denn so kochte meine Großmutter den Borschtsch. Großmutter kochte sehr gut und sie konnte es sich erlauben, die Rezepte abzuwandeln. Sie nahm alles, was da war: Im Sommer kochte die Großmutter Borschtsch mit Steinpilzen, aber ohne Fleisch, mit jungen Bohnen, rosa Burjak und Kohl, Karotten, Braten, Zwiebeln auf Schmalz.

Ich möchte zwei Rezepte, die ich mag, mit Ihnen teilen.

Geschmorter Kohl mit Äpfeln
Sie brauchen
1 kg Kohl
1 große Zwiebel
1-2 mittelgroße Karotten
3-4 mittelgroße saure Äpfel

Schälen und schneiden Sie den Kohl, die Zwiebeln, die Karotten und Äpfel (sie sollten sauer sein). Salzen Sie das Gemüse und fügen Sie einige Lorbeerblätter hinzu. Schmoren Sie das Gemüse bei kleiner Hitze im großen Topf, bis der Kohl weich ist.

Wareniki (Teigtaschen mit Quark)
Sie brauchen für die Füllung
200 Gramm Quark
1 Ei ein wenig grüne Zwiebeln
Dill und Salz nach Geschmack

Hacken Sie die Zwiebeln und die Kräuter. Vermischen Sie dann die Zutaten für die Füllung und stellen Sie sie beiseite.

Sie brauchen für den Teig
200 Gramm Wasser
1 Ei Salz Mehl

Vermengen Sie Wasser, Ei und Salz mit so viel Mehl, wie nötig ist, um daraus einen Teig zu kneten. Rollen Sie ihn aus und stechen Sie mit einem bemehlten Glas Kreise aus. Geben Sie mit einem Teelöffel die Füllung darauf, klappen Sie die Hälften zusammen und drücken Sie die Ränder der Teigtaschen fest zusammen. Kochen Sie die Teigtaschen in reichlich Salzwasser. Fügen Sie beim Servieren Butter hinzu.

Guten Appetit!
Lusy Belikowa