Mohammad Naim Wafai

Über mich:

Mein Name ist Mohammad Naim Wafai, ich komme aus Afghanistan. Ich wurde am 11.12.1992 in Ghazni, Afghanistan, geboren und habe meinen Abschluss an der Universität für Umweltschutz gemacht. Ich war zwei Jahre lang im Bereich der Programmkoordination einer Institution tätig. Ich bin seit einem Jahr in Deutschland und lebe in Barth. Ich kann Farsi, Englisch und ein wenig Deutsch sprechen.
Einer meiner großen Träume ist es, mein Studium abzuschließen und eine Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland zu bekommen, und ich möchte meine Fähigkeiten gerne nutzen, um mein Leben und das anderer zu verbessern und der Gesellschaft zu dienen.

Originaltext

Übersetzung

August 2021. Ich saß zu Hause, als die Nachricht eintraf, dass die Taliban die amtierende Regierung unseres Landes gestürzt und die Macht übernommen hatten. Ich bekam große Angst, zum einen, weil ich dem Hazara-Stamm angehöre, zum anderen, weil ich mit den Ausländern zusammengearbeitet hatte, um innerhalb der afghanischen Gesellschaft das Bewusstsein für Umweltschutz und die Wichtigkeit der Bildung von Frauen zu schärfen. Die Taliban verhafteten und töteten fast jeden – insbesondere die Hazara – die mit Ausländern, vor allem mit den Deutschen und Amerikanern, kollaboriert hatten. Das Volk der Hazara macht insgesamt ein Drittel der Bevölkerung Afghanistans aus. Hazaras wurden schon immer unterdrückt und gefoltert, sowohl unter der Herrschaft von Ashraf Ghani als auch heute. Zwei Wochen nach dem Sturz der afghanischen Regierung ermordeten die Taliban zwei meiner Kollegen. Ihre einzige Sünde: Sie waren Hazara. 
Ich hatte sechzehn Jahre lang studiert und zwei Jahre lang gearbeitet. Trotz des Gefühls großer Hoffnungslosigkeit, hatte ich meinem Volk weiterhin helfen wollen, aber die Taliban bedrohten mich mit dem Tod. Diese andauernden Drohungen ließen mich verzweifeln und zwangen mich letztlich dazu, meine Mutter allein zurückzulassen. Ich fasste den Entschluss, schnell auszuwandern und fragte mich unterdessen ständig: Warum bringen sie uns um? Was für ein Unrecht haben wir denn getan?
Während der Flucht war ich auf dem Weg von der Türkei nach Italien sieben Tage und Nächte lang mit fünfzig Männern, Frauen und Kindern und ohne etwas zu essen und zu trinken auf einem kleinen Boot unterwegs, als unser Boot plötzlich einen Schaden hatte und leckte. Das war der zweite Moment, in dem mir das Leben vollkommen ausweglos erschien. Auf dem Höhepunkt absoluter Verzweiflung retteten mich NATO-Streitkräfte im letzten Moment. 
Jetzt fühle ich mich ruhig und voller Hoffnung, weil ich hier meine Träume verwirklichen und mein Leben von Neuem beginnen kann. Aber meine Mutter fehlt mir sehr, weshalb ich mich hier einsam fühle. Mutter, ich liebe dich sehr.
Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um allen Deutschen zu danken, die mich unterstützt haben, und sie darum bitten, mir bei der Umsetzung meiner Wünsche und Ziele auch weiterhin zu helfen und sie Wirklichkeit werden zu lassen. Mein Traum und Ziel ist es, der Menschheit zu dienen. Rasse, Religion und Hautfarbe spielen für mich keine Rolle, alles, was für mich zählt, sind Menschlichkeit und Aufrichtigkeit.Ich bin mir sicher, dass ich meinen Traum in Deutschland verwirklichen kann. Dies sind die Gefühle und Träume eines Migranten aus Afghanistan.

Aus dem Persischen übersetzt von Ali Abdollahi.